Warum die lange Pause
2. April 2010
Von Seiten der Eigentümergemeinschaft bekam ich von einem Mitglied euphorische Unterstützung (verbal), von anderen unterschwellig Missgunst und von den meisten: Gleichgültigkeit.
Von Seiten der Hausverwaltung Stirnrunzeln und die Prognose, dass es – kurzgefasst – nichts werden würde.
Wie erwartet habe ich daraufhin die Lust verloren an meinem Rollstuhlprojekt und lieber eine weitere ganz normale Mietwohnung in Berlin (Tiergarten) gekauft. Aber ich sehne mich weiterhin nach einem schönen Bauprojekt. Im Sumpf sollen Blumen blühen, und die will ich pflanzen.
Meine kleine Wohnung im Wedding, die ich so aufwändig und liebevoll saniert habe, vermietet sich easy. Jetzt hab ich neue Energie frei und habe nach langer Pause wieder geschaut, wie es um die Kneipe und den Friseurladen steht. – Letzterer übrigens immer noch leer.
Im Winter hieß es mal, die Betreiber der Kneipe säßen in U-Haft wegen Verdachts auf Drogenhandel, und da mögen sie durchaus noch immer sein, aber für die Kneipe macht das wohl keinen großen Unterschied, denn neue Betreiber sind nachgerückt. Da tut sich also nichts, was darauf hindeutet, dass ich meine Plan in absehbarer Zeit umsetzen könnte. Herr Fru möchte übrigens für die Kneipe mindestens 260.000 haben.
Der Friseurladen wäre vielleicht für ein Zehntel dieser Summe zu haben, aber da er winzig klein ist und direkt neben der verhassten Kneipe liegt, wird mir das nichts nützen. – Oder doch?
Nicht weit vom Haus sind Kindergarten, Kinderhaus, Grundschule und ein neu angelegter Wasserspielplatz. Wie wär`s, in dem ehemaligen Friseurladen einen Kinder-Second-hand einzurichten?!
Aufwachen!?
19. Mai 2009
Keine guten Nachrichten. Wir sitzen in der Sonne, beide gut gelaunt, und der Eigentümer erzählt mir, wie überaus rentabel seine Immobilie sei. – Aha?
Die Pacht gehe regelmäßig ein, er brauche sich um nichts zu kümmern. – Aha?
Unterlagen habe er noch nicht mitgebracht, er wolle erstmal wissen, was ich mir denn so vorstelle. – Hmm.
Denn wenn unsere Vorstellungen – seine und meine – zu weit auseinander lägen, dann bräuchten wir uns gar nicht weiter zu bemühen. – Aha.
In der Folge zeigt sich, dass unsere Vorstellungen in der Tat weit auseinander liegen. Ich sage, dass ich die Immobilie sicher nicht zur Nutzung als Gastro-Immobilie haben wolle.
Als was denn dann?
Ich, in Sorge, er könne meine Idee klauen, sage was von Ateliers oder Wohnnutzung, auf jeden Fall sei ein Umbau nötig. Um mehr sagen zu können müsse ich aber erst mal einen Grundriss sehen.
Er erzählt mir von den glorreichen Tagen, die er mit dieser Immobilie erlebt habe, wie früher die Arbeiter nach der Schicht auf ein Bierchen gekommen seien und aus dem einen seien zwei, drei, viele geworden … Und früher habe sich nie jemand über Lärm beschwert, erst seit einigen Jahren …
Genau. Und die schöne Zeit wird nie wieder kommen. Hoffe ich.
Ich sitze also neben diesem alten Geldsack und sehe meine Felle davon schwimmen. Andererseits merke ich, dass er den Laden lieber heute als morgen los würde. Er will mindestens 130 000 dafür. Plus Friseurladen plus Kaufnebenkosten wären wir dann schnell bei 180 000 plus mindestens Hunderttausend für den Umbau – unter der Voraussetzung, dass für die Außenanlagen größtenteils die Eigentümergemeinschaft aufkäme.
Also illusorisch, mein Plan.
Dazu kommt, dass mein Mann mir vorwirft, ich würde unsere Existenz aufs Spiel setzen. Aber das will ich nicht und werde es auch nicht tun.
Aber andere bauen auch ohne Geld. Schneider zum Beispiel – baute. Und landete im Knast. So geht es nicht.
Wahrscheinlich werde ich eine GmbH gründen müssen. Kapitalgeber finden. Stille Teilhaber. Unterstützer für meine gute Idee.
Eins ist klar: Das schnelle Geld ist mit diesem Projekt nicht zu machen. Aber klar ist auch: Der alte Geldsack will seine Kneipe loswerden. Die Zeit arbeitet für mich. Und es gibt öffentliche Förderung. Der nächste Schritt wird sein, zur Beratungsstelle für barrierefreies Bauen zu gehen und dort zu fragen, ob und wie mein Projekt gefördert würde. Der Eigentümer der Kneipe, nennen wir ihn Herrn Fru, wird sich vielleicht dazu durchringen, mir einen Grundriss zuzuschicken. Sicherlich wird er das nicht innerhalb der nächsten beiden Wochen tun. Dieses Spielchen, den Verhandlungspartner warten zu lassen, ist durchaus üblich, ich habe es bei meinen kleineren Projekten auch erlebt, es hat mich manchmal fast zum Wahnsinn getrieben. Diesmal nicht. Diesmal habe ich Geduld. Keine Angst, jemand anderer könnte mir diese Traum-Immobilie vor der Nase wegschnappen. Sicher nicht. Warten wir`s ab.
Kann aber sein, dass es in der nächsten Zeit hier keinen neuen Eintrag geben wird.
Ende Juni ist Eigentümerversammlung. Die Lärmbelästigung durch die Kneipe steht mal wieder auf der Tagesordnung. Herr Fru hat angedeutet, dass er nicht kommen wird. Ihm ist das alles zu dumm. Er bekomme seine Pacht, alles andere sei ihm jetzt egal.
Also dann …
morgen wirds spannend
18. Mai 2009
Ein kleiner Schritt: ich hab mich für morgen mit dem Eigentümer der Kneipenimmobilie verabredet. Am Telefon wollte er keine Aussage über den Kaufpreis machen. Das allein würde auch nicht alle Fragen beantworten. Ich brauche Infos über den gegenwärtigen Pachtvertrag (Kündigungsfrist) und den Grundriss. Über die Umgestaltung der Außenanlagen habe ich schon eine Liste angelegt:
Änderung der Außenanlage :
- 1 Behindertenparkplatz
- Rampe ca. 18 m lang
- neue Mülltonnenfläche
- erhöhter Mülltonnen-Zugang
- automatische Türöffner
- Briefkästen
- schwellenlose Haustüren
- neue Terrasse
- Vordach
- unterfahrbare Blumenkübel als Terrassenbegrenzung
Wenn ich morgen den Kaufpreis erfahre, kann es sein, dass sich dieser Blog schnell erübrigt hat. Aber natürlich werde ich kämpfen. Freundlicher gesagt: verhandeln.