Oh Makler!

30. Mai 2009

Gestern rief der Makler an, der den Friseurladen vermittelt. Ich war gerade beim Mittagessen. „Welches Gewerbe betreiben Sie denn?“, fragt der Makler. - Huch? Soll ich mich jetzt als Journalistin outen. Gerade noch rechtzeitig fällt mir ein, auf was er wahrscheinlich hinauswill:

„Sie meinen, was ich mit dem Laden anfagen will?“ – „Genau.“

„Äh, ich denke, man könnte ihn vielleicht als Atelier nutzen …? Aber ich müsste ihn erstmal von innen sehen.“

Offenbar will der Gute nicht zum x-ten mal vergeblich diese Mini-Immobilie zeigen, jedenfalls beginnt er, mir ungefragt die gröbsten Nachteile des kleinen Ladens aufzuzählen: dass er kein Kunden-WC habe, sondern dass nur eine steile Stiege unter einer Falltür in den Keller führe, wo ein WC und ein Waschmaschinenanschluss – allerdings nicht mehr ganz zeitgemäß – vorhanden sind, und dass man das keinem Kunden zumuten könne.

Das wusste ich erstens vorher, und zweitens fällt es nicht weiter ins Gewicht, denn es werden umfassende Umbauten nötig, und mit einem normalen Klo kann ich sowieso nichts anfangen, weil sämtliche Sanitäranlagen neu, groß und rollstuhltauglich werden müssen. Aber ihm das auf die Nase zu binden hieße, wertvolle Argumente für die Verhandlung zu verschenken.

„Hm. Klingt ziemlich exotisch. Aber anschauen würde ich es mir trotzdem gern.“

Ich möchte einfach nur einen Termin vereinbaren und mich dann wieder meinem erkaltenden Mittagessen zuwenden. Aber der Makler ist noch nicht fertig mit dem Versuch, mir den Laden auszureden:

„Und dann ist da noch die Kneipe?“

„Kneipe?“

„Ja, nebenan ist eine Kneipe.“

„Aber die hat doch einen separaten Eingang. Die hat doch mit dem Laden eigentlich nichts zu tun?!“

„Ich wollte es nur gesagt haben.“

Aha.  Also für die wenigen Interessenten, die sich den Laden angeschaut haben, war die Kneipe wohl ein Argument, sich abzuwenden. Wenn das Herr Fru wüsste.

Der Makler hat mir dann doch noch einen Besichtungstermin bewilligt. Nächsten Mittwoch. Das wird mich nicht sehr viel weiter bringen, denn der Laden nimmt nur etwa ein Fünftel der Gesamtfläche ein. Ohne die Kneipe würde ich mit dem Laden nichts anfangen können. Ich muss also versuchen, den Kauf von Laden und Kneipe gleichzeitig auf den Weg zu bringen. Das eine ohne das andere funktioniert nicht. Trotzdem, ich freue mich auf Mittwoch. Nächste Woche werde ich auch dazu kommen, weitere Infos über Rollstuhlwohnungen einzuholen. Außerdem will ich unsere Steuerberaterin zum Thema Firmengründung befragen.

Aber jetzt ist erstmal Pfingsten, und ich versuche, mich zu entspannen.

Leave a Reply